Paderborn ohne Goggo

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Auf dem Weg von Düsseldorf nach Paderborn dachte ich für einen kurzen Moment – hier brennts doch?! Als ich mir die Kopfhörer, die ich wegen des Geräuschpegels im Goggo immer bei Überlandfahrten drin habe, aus den Ohren zog merkte ich, dass irgendetwas nicht stimmte. Mein Auto hörte sich plötzlich an, wie ein 300 PS Motorsportwagen. Nur, das wir trotzdem weiterhin im Schneckentempo unterwegs waren. Also blieb ich stehen, um zu schauen was da los war.

Offensichtlich war irgendwas mit dem Auspuff. Wie ich gelernt habe kann man den mit einem Taschentuch zuhalten, um zu überprüfen, ob ein Loch irgendwo ist. Wenn das Auto ausgeht, dann ist alles dicht und gut – wenn nicht, dann nicht. Ihr könnt euch vorstellen, was bei mir der Fall war.

Also rief ich meine Goggofreunde an, um zu fragen, wer mir helfen kann. Nach genau einem Telefonat erfuhr ich, dass ich tatsächlich in einer Ortschaft stehen geblieben bin, in der es eine Goggowerkstatt gibt! Bis Dienstag bleibt die kleine Gretel zum Auspufft- und Simmerringtausch noch dort und dann gehts weiter.

So bin ich also ohne Goggo weiter. Mein Beifahrer für die Strecke kam mit eigenem Auto angereist und so konnte ich dankenswerterweise umsteigen.

Am Nachmittag traf ich Marlene auf einem Feld in der Nähe von Paderborn. Dort bauten ca. 20 Leute einen „Folientunnel“ (damit ihr ein Bild im Kopf habt – ich würde dazu Gewächshaus sagen)

Einer von ihnen gab genaue Anweisungen und die anderen – Frauen, Männer, teilweise sogar ein paar Kinder – halfen in Gemeinschaftsarbeit mit, die Stangen zu verbinden. Marlene klärte mich auf, wer all die anderen Leute dort sind. Der Bauer hat nicht etwa eine unverhältnismäßig große Familie, sondern das waren Leute aus der solidarischen Landwirtschaft. Kurz SoLaWi. Das bedeutet, dass mehrere Leute sich zusammentun, einen kleinen Beitrag zugeben und mithelfen bei der Ernte, dem Tunnel und alles was so anfällt, mitzumachen. Alles was bei der Ernte rauskommt, wird auf die Leute der SoLaWi verteilt. Der Bauer hat so Planungssicherheit (wenn es z.B. mal eine schlechte Ernte gibt) und die Mitglieder wissen, was auf ihrem Teller landet und können zudem noch eine Menge dazulernen.

Durch mein Landvergnügen Büchlein bin ich mittlerweile Bauernhoftechnisch gut rumgekommen und konnte mich mit vielen Bauern unterhalten. Die sagen, die SoLaWi ist definitiv ein Modell der Zukunft. Bauernhof-sharing sozusagen. Wie ich finde, eine gute Idee! Für den Entschleunigungskoffer hat mir Marlene ein Stück Erde in ein Glas gepackt und mit auf die Reise gegeben.

Abends bin ich auf der Libori. Das ist ein Fest, dass hier einmal im Jahr stattfindet und offensichtlich DIE Veranstaltung ist. Jedenfalls sagt das jeder. Leider wird es aufgrund der Wetterlage direkt am ersten Tag abgesagt. Ich sehe schon, heute ist ein Tag an dem ich sicherheitshalber mal direkt ins Bett gehe.

Bin auch echt geschafft von der Panne und gehe nun schlafen.

Discussion1 Kommentar

  1. Die Kamera und das kl.Mikro habe ich „nur“ aus der kurzen Ferne gesehen, freue mich dennoch sehr, dass wir es in eine fremde Website hineingeschafft haben! Ich bin von Anfang an dabei und wenn ich es irgendwie schaffe auch bei einem Arbeitseinsatz. Ja, ich habe geholfen, wenig zwar, aber auch das ist relativ. Denn dank Veronika und mir, ist der erste Tunnel Distelfrei und für Barfüße geöffnet :-). Außerdem habe ich eine Wassermelone mitgebracht, die allen gut tat, die schweißtreibend tätig waren.

    Bin schon ganz gespannt auf den nächsten Beitrag im Entschleunigungsblog.

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